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Die Kristallhöhle Kobelwald - Schauhöhle im St. Galler Rheintal


von Dr. Peter Kürsteiner

Im St. Galler Rheintal nahe Oberriet befindet sich eine der attraktivsten Schauhöhlen der Schweiz: die Kristallhöhle Kobelwald. In dieser Schauhöhle können speläologische, geologische, hydrologische und - was sie für die Schweiz so einzigartig macht - gleichzeitig auch mineralogische Aspekte studiert werden. Die Höhle enthält eines der grössten Minerallager der Schweiz. Sie ist im Geotopinventar des Kantons St. Gallen sowie im Schutzplan der Gemeinde Oberriet aufgeführt.

Die Höhle zieht alljährlich tausende Besucher in ihren Bann. Die Höhlenatmosphäre, die Kristalle, die Tropfsteine, das rauschende Wasser sowie die Lichtverhältnisse üben eine grosse Faszination aus. Es handelt sich um die einzige touristisch erschlossene, Wasser führende Höhle mit einem grossen Calcitvorkommen der Schweiz.

Nach dem Volksmund wurde die Kristallhöhle Kobelwald im Jahre 1682 von einem Jäger entdeckt. In der Literatur wurde sie schon früh erwähnt, erstmals im Jahre 1702 vom Zürcher Gelehrten Johann Jacob Scheuchzer.


Fussweg zur Kristallhöhle Kobelwald. Foto: Thomas Kühnis.

Beschreibung der Kristallhöhle

Die Kristallhöhle befindet sich am Nordost-Abhang des Oberrieter Chienbergs. Der Hauptgang der Höhle ist 367 m lang. Davon sind die ersten 128 m ausgebaut und touristisch erschlossen. Die Gesamtlänge der Höhle, das heisst die Summe aller bekannten Ganglängen, beträgt 665 m. Der ziemlich winklig und unregelmässig verlaufende Hauptgang wird fast auf der ganzen Länge von einem Bach durchflossen.


Vorplatz der Kristallhöhle Kobelwald. Foto: Armin Heinzer.

Nach dem Eintritt in die Höhle führt ein kurzer, steiler Gang hinunter zum Höhlenbach. Hier befindet sich die tiefste Stelle des Höhlengangs.

In der nun folgenden Ersten Halle sind der Boden und die rechte Höhlenwand mit vielen rhomboedrisch auskristallisierten Calcitkristallen überzogen. Hier befindet sich eines der beiden grösseren Calcit-Vorkommen der Kristallhöhle.


Calcitkristalle in der Ersten Halle. Foto: Pius Vorburger.

Durch eine kurze Gangverengung gelangt der Höhlenbesucher in die Zweite Halle, wo eine alte Calcit-Abbaustelle zu sehen ist. Zur Zeit des ersten Weltkrieges wurde der Calcit im vorderen Bereich der Kristallhöhle fuderweise abgebaut und anschliessend zu Putzmitteln verarbeitet. Dazu hat man den Calcit ganz fein gemahlen und als Scheuermittel benutzt.

Auf der rechten Seite der Treppe befindet sich ein Siphon: ein vollständig mit Wasser gefüllter Gangabschnitt.


Wandpartie mit aufgewachsenen Calcitkristallen. Foto: Thomas Kühnis.

Bild rechts:
Links Sturzblock mit Tropfstein in der Form einer Eule, am Sturzblock rechts im Bild ist der Bart des "Höhlengeistes" zu erkennen. Foto: Peter Kürsteiner.



Wenige Meter nach der metallenen Treppe führt ein aufsteigender Seitengang nach links zur so genannten Calcitkluft.

Gleich nach dem Wasserfall, der sich etwas weiter hinten im Höhlengang befindet, sind verschiedene Versinterungen zu sehen: über den Höhlengang spannt sich eine aus Sinter gebildete Brücke und auf der linken Wandseite ist eine Sinterkaskade entstanden.

Noch weiter dem Höhlengang folgend gelangt man zu einer Stelle, wo sich mehrere von der Decke herunter gefallene Sturzblöcke befinden. Auf diesen sind verschiedene Versinterungen entstanden: ein stehender Tropfstein - ein so genannter Stalagmit - hat die Form einer Eule. Neben der Eule ist ein Tropfstein gewachsen, welcher von der Seite betrachtet die Gestalt eines Höhlengeistes hat.

Kurz vor dem Tor, welches den ausgebauten vom hinteren Teil der Höhle trennt, verläuft im Gestein ein senkrechter Bruch. Dieser enthält an verschiedenen Stellen schöne Calcitkristalle in der Skalenoeder-Form.


Vom Wasser unterspülte Sinterplatte. Foto: Hans Stünzi.

Erschliessung der Höhle

Die Kristallhöhle Kobelwald wurde im Jahre 1935 für Touristen zugänglich gemacht. Dazu wurde beim Eingang die Abflussspalte durch einen 20 m langen Stollen ersetzt, der auch maximale Wassermengen nach aussen abzuleiten vermag. Im Höhlengang wurden enge Stellen erweitert sowie der Bach teilweise in einen ausgesprengten Graben geleitet oder mit eisernen Treppen und Stegen überbrückt. Zudem wurde der Schauhöhlenteil elektrisch beleuchtet und beim Eingang ein Tor montiert.

In den Jahren 2001/2002 erfolgte eine umfassende Sanierung. Dabei wurde die Besucherplattform beim Höhleneingang verbreitert und überdacht, eine Vitrine mit Informationen und ausgestellten Kostbarkeiten aus der Höhle angebracht sowie ein neuer Höhlenplan montiert.

In der Höhle selbst wurde in der Ersten Halle der Boden um rund einen Meter abgesenkt. Auf dem anstehenden Höhlenboden kamen herrliche Partien mit zahlreichen, wunderschön ausgebildeten Calcitkristallen zum Vorschein. Im linken Bereich des Bodens befindet sich nun ein künstlich gestauter See. Weiter wurde eine eigentliche Calcitkluft mit grossen, überaus schönen Calcitkristallen freigelegt. Mit diesen Neuerungen konnte die Attraktivität der Kristallhöhle Kobelwald erheblich gesteigert werden.

Das Mineral Calcit

In der Kristallhöhle Kobelwald sind ganze Wand- und Bodenflächen von einer grossen Anzahl Calcitkristallen überzogen. Das Mineral ist am häufigsten als Rhomboeder auskristallisiert. Die Kantenlängen der Rhomboeder können mehr als 20 cm betragen. Ebenfalls recht häufig ist das Mineral als Skalenoeder ausgebildet. Diese können Längen von bis zu 30 cm erreichen. Die Calcite sind weiss oder in verschiedenen Grautönen gefärbt. Auch farblos-durchsichtige Kristalle mit Doppelspat-Charakter kommen vor: legt man ein klares Spaltrhomboeder auf ein mit einer Linie versehenes Papier, dann erscheint diese Linie, durch den Kristall betrachtet, doppelt.


Zwei ineinander verwachsene Calcit-Rhomboeder. Breite 3.5cm. Foto: Thomas Schüpbach.


Calcit-Skalenoeder. Länge 15cm. Foto: Thomas Schüpbach.


Calcitkristall mit Überzug von fein geschichtetem oder blumenkohlartigem Höhlensinter. Höhe 11cm. Foto: Thomas Schüpbach.



Doppelbrechung bei einem farblosen Calcit-Spaltrhomboeder. Foto: Thomas Schüpbach.

Hinweise zur Begehung

Die Kristallhöhle wird als Schauhöhle durch den Verkehrsverein Kobelwald unterhalten und betrieben. Sie ist von Ostern bis 31. Oktober an Sonntagen und Feiertagen jeweils von 11.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Besuche an Wochentagen bedürfen einer Voranmeldung beim Höhlenwart (Tel. 071 761 19 77). Während den Sommerferien ist die Höhle vom 10. Juli bis 10. August täglich nachmittags von 12.00 bis 16.30 geöffnet. Homepage: www.kristallhoehle.ch.

Lageplan der Kristallhöhle Kobelwald.

Der Zugang zur Höhle ist sowohl ab Oberriet wie auch ab Kobelwald beschildert. Den Parkplatz "Tanzplatz" erreicht man ab Oberriet über die Waldstrasse Richtung Montlinger Schwamm. Die Höhle ist von diesem Parkplatz aus zu Fuss in 5 Minuten zu erreichen. Vom kleineren Parkplatz westlich des Dorfes Kobelwald gelangt man nach einem Spaziergang von 15 Minuten Dauer zum Höhleneingang.

Literatur

Zur Kristallhöhle Kobelwald wurde ein Buch herausgegeben. Dieses erlaubt dem interessierten Leser, sich über die Höhle und deren Mineralvorkommen zu informieren. Dabei werden die Höhle, deren Geschichte und Mineralien beschrieben, auf die Frage der Entstehung der Höhle wie auch der Minerallager eingegangen und ein geologischer Überblick über das umliegende Gebiet vermittelt. Zudem werden verschiedene weitere Themen wie Hydrogeologie, Sedimente oder Höhlenklima behandelt. Der komplette Höhlenplan sowie ein Literatur- und Fachwörter-Verzeichnis schliessen das Buch ab.

Kürsteiner Peter, Stünzi Hans und Filipponi Marco (2004): Die Kristallhöhle Kobelwald. Verlag: Verkehrsverein Kobelwald, 9463 Oberriet, Tel. 071 761 19 77. ISBN 3-9521425-0-6. Format 23.5 x 24.5 cm, 120 Seiten, 136 Abbildungen und Illustrationen, ausklappbarer Höhlenplan, Fadenheftung, Hardcover mit Schutzumschlag, Preis Fr. 20.- Zu beziehen: beim Verkehrsverein Kobelwald, bei der AGSR, oder im Buchhandel.



Ostschweizer Mineralien - Aktuelles

Mineralienausstellung auf dem Säntis

Der St. Galler Edmund Alther trug im Verlaufe von Jahrzehnten eine überaus bedeutende Mineraliensammlung mit Exponaten aus aller Welt zusammen. Später wurde diese von der appenzell ausserrhodischen Bertold-Suhner-Stiftung übernommen. Bedeutende Teile dieser Sammlung werden nun in einer Ausstellung im Gipfelgebäude des Säntis gezeigt.

In einer grossen Zahl Vitrinen sind Mineralien und Kristalle, geordnet nach Herkunft oder nach Mineralgruppe, zu bestaunen: Achate, Calcite, Fluorite, Pyrite, Quarze und vieles mehr aus allen Teilen der Welt. Schwerpunkte bilden Mineralien aus der Schweiz, aus Kassandra, aus Laurion sowie aus Trepca. Zudem sind den Mineralien des Alpsteins, der nächsten Umgebung, mehrere Vitrinen gewidmet.

Um den Besuchern das Thema Strahlen, also die Suche nach Kristallen, näher zu bringen, wurden eigens eine künstliche Mineralkluft sowie ein Strahler-Biwakplatz eingerichtet. Die Ausstellung "Gwönderfitzig - Faszination Mineralien" bietet damit einen faszinierenden Einblick in die Welt der funkelnden Mineralien und Kristalle.

Ausstellung von Ostschweizer Mineralien im Naturmuseum St. Gallen

Im Naturmuseum St. Gallen sind neu drei Vitrinen den Ostschweizer Mineralien gewidmet. In einer der Vitrinen sind Mineralien des Alpsteins ausgestellt: so beispielsweise einzigartige Fluorit- und Calcitstufen der bekannten Fundstellen Dürrschrennenhöhle und Chobelwand, glänzende Pyritkugeln (so genannte "Blitzkugeln" oder "Donnerkugeln") vom Säntisgipfel, funkelnde "Diamanten" der Fundlokalität Öhrli ("Öhrli-Diamanten"), rötliche Hämatite vom Alp Sigel oder prächtige Calcitstufen aus der Umgebung von Appenzell.

In einer zweiten Vitrine werden unter anderem attraktive und seltene Quarz- und Calcitstufen aus der Gegend von Vättis SG gezeigt. Der Erwerb der Exponate, aus der Privatsammlung eines verstorbenen Sammlers, wurde vom Mineralogischen Verein St. Gallen finanziert. Die Funde stammen aus so bekannten Fundstellen wie Chrüzbachtobel, Gigerwald oder Wolfjos.

Eine riesige Calcitstufe aus dem Kraftwerkstollen Gigerwald bei Vättis wird in einer dritten Vitrine präsentiert: Der etwa 1 Meter breiten Stufe sind hunderte von weissen Calcitkristallen in der Skalenoeder-Form aufgewachsen. Die Calcitstufe besticht durch ihre Grösse und durch ihre hervorragende Qualität.


Fluoritstufe mit aufgewachsenen Calcitkristallen. Breite 15 cm. Fundort: Dürrschrennenhöhle AI. Foto: Stefan Rohner.

Mineralien im Alpstein - Buchneuerscheinung

Erst kürzlich ist im Appenzeller Verlag das Buch "Mineralien im Alpstein" erschienen. Die beiden Autoren Peter Kürsteiner und Michael Soom beschreiben darin ausführlich die vorkommenden Mineralien und deren Fundstellen, vermitteln einen Überblick über die mineralogische Erforschung sowie über die Geologie des Alpsteins und geben Angaben zur Entstehung der Mineralien und Mineralfundstellen.

Kürsteiner Peter und Soom Michael (2007): Mineralien im Alpstein. Appenzeller Verlag, 9100 Herisau, www.appenzellerverlag.ch, ISBN 978-3-85882-454-7. Format 17 x 24 cm, 272 Seiten mit zahlreichen farbigen Abbildungen, Fadenheftung, Hardcover, Preis Fr. 58.-


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Letzte Änderung dieser Seite: 14.12.2008 22:17:11
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