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In Memoriam Remigi Cavegn

Sein Leben

Remigi Cavegn kam am 6. Februar 1944 in Sedrun im Tujetsch zur Welt. Als sechstes von sieben Kindern war er der jüngste Sohn des Posthalters Lucas Cavegn und dessen Frau Onna Catrina, eine geborene Pally aus Camischolas.

Alte Familienfotos zeigen den jungen Remigi stets als schelmisch lachenden Buben; stillsitzen war schon damals nicht seine Sache. Sein Bewegungsnaturell und seinen wachen Geist hat er bis zu seinem Tod behalten.

Während seiner Kindheit war das Val Tujetsch noch recht abgeschieden. Ausser der Furka-Oberalp-Bahn, die damals wintersicher ausgebaut wurde, und dem deutsch- somit für die Rätoromanen fremdsprachigen Radio Beromünster gab es kaum Verbindungen zum Unterland. Der Skitourismus setzte erst in den fünfziger Jahren mit dem Bau der ersten Skilifte ein. Zu jener Zeit besuchte man in Sedrun nur im Winter die Schule. Im Sommer hiess es arbeiten - auch für die Kinder der Familie Cavegn. So lebte Remigi Cavegn in jungen Jahren vom Frühling bis zum Herbst als Kuhhirt auf der Alp. Dort war das Leben noch entbehrungsreicher und noch stärker durch die Naturgewalten geprägt als im Dorf.

Nach der Schulzeit erlernte er den Beruf des Mechanikers. Die Lehre absolvierte er fernab der Bündner Berge, in der Stadt Solothurn. Danach folgten die RS und die Unteroffiziersschule. Von 1966 bis zu seiner Pensionierung arbeitete Remigi Cavegn für den Militärflugplatz Emmen, zunächst als Flugzeugmechaniker, später als Flugzeugkontrolleur.

1968 heiratete er Marlis Fischer aus Ebikon. Ein Jahr später kam die Tochter, weitere fünfeinhalb Jahre später der Sohn zur Welt. Seine Freizeit wusste er auf vielfältigste Weise zu nutzen. So bildete er sich an einer Abendhandelsschule fort, trieb fleissig Sport (Skifahren, Volleyball) und engagierte sich in Vereinen. Doch das wichtigste Hobby war das Strahlen und das Fossilien-Suchen.

Das Strahlen hatte Remigi Cavegn bereits als junger Bursche von seinem Onkel Ambrosi, einem der bekanntesten Strahler (sog. cavacristallas) der Talschaft, erlernt. An den Samstagen, wenn das Wetter mitspielte, fuhr er in seine Heimat, um abends nicht selten mit einem Rucksack voll von Kristallen wieder nach Emmenbrücke zurückzukehren. Während den Sommerferien nahm er seine Familie mit und erklärte ihr vor Ort die Anzeichen eines Kristallvorkommens. Wenn das Strahlen in den Bergen nicht möglich war, ging er gerne auf Fossiliensuche in den Schweizer Jura oder auch ins Ausland. Auch nach Brasilien fhrte ihn die Suche nach edlen Steinen, wie folgender Bericht dokumentiert: Mineral Specimen Collecting - Part 2: Brazil (by Alan Leishman).
Einen internationalen Bekanntenkreis hatte Remigi Cavegn als stets gut gelaunter Aussteller an unzähligen Mineralienbörsen gewonnen. Für die "Strahlervereinigung" Luzern übernahm er nicht nur das Amt als Vereinskassier, Revisor und Jugendbetreuer, sondern organisierte auch zahlreiche Exkursionen wie z.B. ins Val Val und ins Val Maighels.

Nach seiner Frühpensionierung kehrte er nach Sedrun zurück, um sich ganz seiner Leidenschaft zu widmen. Über das Strahlen sagte er selbst: "In der Natur ist Ruhe, Freiheit, sind andere Gesetze. Man kann nicht alles messen, sondern muss spüren und erleben, wo etwas zu finden ist. Aus Einzelheiten heraus entsteht der Erfolg. Schönheit der Natur, Erkennen von Grenzen, einen Fund als erster Mensch zu sehen, das fasziniert mich."

Am 23. April 2007 ist Remigi Cavegn von einer Frühjahrstour in die Cavradischlucht nicht mehr heimgekehrt. Der gut trainierte und versierte Berggänger verunglückte tragisch an seinem Fundort im Val d'Arschella in der Cavradischlucht. Die Tujetscher Berge waren seine Heimat. Hier leuchteten unzählige Male seine Augen angesichts eines glücklichen Fundes. Dieses Strahlen wird uns in reger Erinnerung bleiben.

Der Strahler

Wie erwähnt, war Remigi Cavegn's Lehrmeister sein Onkel, Ambrosi Cavegn, einer der berühmten Strahler aus dem Buch von Pater Flurin Maissen (1955; 1974): "Strahler und Mineralklüfte der Surselva". (Ambrosi Cavegn's Lebenslauf wird im 2008 erschienen Buch "Kristallwanderungen" von M. Wachtler in Wort und Bild nachgezeichnet - beziehbar bei Lapis.de). So kannte Remigi Cavegn schon in jungen Jahren die Anzeichen der Klüfte und auch viele der vorkommenden Mineralien. Deshalb sammelte er nicht nur den vorherrschenden Bergkristall in all seinen Farben und Formen, sondern auch die kleineren und selteneren Mineralien.

Seine Stärken waren Gradlinigkeit und Zuverlässigkeit, aber auch scharfe Beobachtungsgabe und grosser Mut, ohne die er nie ein erfolgreicher Strahler geworden wäre. Manche bezeichneten ihn als Draufgänger, der unerschrocken den Gefahren trotzte und sich mit Leib und Seele seinem Hobby verschrieben hatte. Dank Kraft und Ausdauer konnte er viele Klüfte öffnen und fachmännisch ausbeuten.

Gerne nahm er auch Gäste mit auf Strahlertouren und dank seiner grossen Offenheit war er sehr beliebt. Es bereitete ihm besondere Freude, Kindern, Anfängern und Kollegen seine Fundstellen zu zeigen und sein profundes Wissen mitzuteilen: geteilte Freude ist bekanntlich doppelte Freude.

Seine Naturverbundenheit war die wichtigste Antriebsfeder, um immer wieder in die Berge zu gehen. Dass dabei auch noch Kristalle und Mineralien zu Tage kamen, war ein Teil dieses Naturverständnisses.

Während vielen Jahren war Fritz Gautschi (Emmenbrücke) ein treuer Begleiter. Zu Remigi's Strahlerkollegen zählten aber auch seine Brüder Lucas und Bruno, sein Cousin Gerold und Vladimir Pusec (Zürich).

Leider hat Remigi Cavegn kaum schriftliche Notizen hinterlassen (in dieser Hinsicht war Ambrosi Cavegn vorbildlicher), aber dank seinen Strahlerkollegen konnten die Nachkommen doch noch die Fundorte von vielen Sammlungsstücken in Erfahrung bringen.

Seine wichtigsten Fundstellen waren die Cavradischlucht, die Rheinufer bei Sedrun (s. Artikel in der MineralienWelt 4/2007 "Strahlen in Plauns unterhalb Sedrun"), das Drun-Tobel, Val Strem, Val Nalps, Val Val und die anderen Seitentäler des Tujetsch. Einen wichtigen Fund machte er ausserdem im Gerental/VS, wo er neben schönen Turmalinen einige sehr grosse Quarze fand.

Remigi ging sehr oft strahlen - allein in einem Sommer ging er 28 Mal zu den Stremhörnern. Und im Jahr 2006 war er an 131 Tagen unterwegs auf der Suche nach Kristallen.

In den früheren Jahren verzichtete er auf den Einsatz von Maschinen und Sprengstoff. Doch ab 2000, als er hauptsächlich in der Cavradi arbeitete, benutzte auch er diese Hilfsmittel. An seinen beiden Fundstellen im Val d'Arschella konnte er sehr schöne Quarzstufen (unter anderem sog. Schwimmer), Hämatite, Rutile, Strontianite und Baryte aus dem Berg holen.

Der ganz grosse, spektakuläre Fund war Remigi Cavegn nicht vergönnt (solche sind im Tujetsch auch äusserst selten). Er machte aber regelmässig exzellente Funde mit verschiedenartigen Mineralien, aber auch vielen Rauchquarz-Gwindeln. Einige Stufen sind heute in folgenden Museen zu bewundern: La Truaisch (Sedrun), Uniun Cristallina (Disentis) und Naturhistorisches Museum Bern. So konnte er eine repräsentative Sammlung aus Eigenfunden aufbauen. Sein Motto lautete: "Steine hat's genug, man muss sie nur finden" - und das hat er, wie die Fotoserie weiter unten belegt.

Die Sammlung

Die Sammlung von Remigi Cavegn bietet einen ausgezeichneten Querschnitt durch die berühmten Tujetscher Mineralien. Natürlich dominieren auch in dieser Sammlung die Bergkristalle, Gwindel und Rauchquarze. Alle im Gebiet vorkommenden Quarzvarietäten (heller Bergkristall, Phantomquarz, Rauchquarz, Gwindel, Amethyst) sind in guten bis sehr guten Exemplaren vorhanden - es gibt da insbesondere ein paar erstklassige Gwindel. Bemerkenswert sind aber die vielen Eigenfunde von teils ausserordentlichen Exemplaren, wie z. B. einem sehr beachtlichen Milarit. Von folgenden Mineralien konnte Remigi Cavegn besondere Stufen finden:
  • Milarit (Stremlücke)
  • Hämatit (Cavradi)
  • Fluorit (grün; Piz Blas)
  • Boulangerit (Segnas)
  • Prehnit (Val Nalps)
  • Strontianit (Cavradi)
  • Baryt (Cavradi)
  • Galenit (Drun-Tobel)
  • Titanit (Drun-Tobel)
  • mehrere Stufen mit Gwindeln (s. z.B. R. Rykart, 1992: "Zwei ungewöhnliche Gwindel aus dem Tujetscher Aarmassiv (Kt. Graubünden)" (Drun L'Ondadusa, Rueras) Schweizer Strahler Nr 8, Seiten 421-425)
Einen guten Eindruck kann durch das Betrachten der unten wiedergegebenen Bilder gewonnen werden. Ein Teil der Sammlung wurde von den Nachfahren übernommen und manche Stücke wurden an Museen und bekannte Privatsammlungen veräussert. Hier werden die wichtigsten Stufen miteinander dargestellt.

Dank

Dieser Beitrag wäre ohne die tatkräftige Unterstützung der Nachfahren von Remigi, der Tochter Lucia Angela Cavegn und dem Sohn Simon Cavegn, nie zustande gekommen. Aber auch seine Strahlerkollegen Fritz Gautschi, Vladimir Pusec, Lucas Cavegn (Bruder) und Gerold Cavegn (Cousin) haben durch wertvolle Angaben direkt und indirekt dazu beigetragen. Allen gilt unser Dank. Schliesslich sei auch allen Fotografen (Simon Vogt, Daniel Dosdall, Otto Heule, Familie Cavegn, Steffen Jahn) ganz herzlich gedankt.

Die Bilder:

Der erste Teil der Bilder zeigt Remigi Cavegn und seine Fundstellen. Im zweiten Teil werden die Kristalle und Mineralien aus seiner Sammlung präsentiert. Die Bilder stammen von den verschiedensten Quellen, welche jeweils bei den Legenden vermerkt sind.

Legende:
B=Breite, BB=Bildbreite, H=Höhe, L=Länge, LK=Kristallänge.

quarz kristall ein mineral
Letzte Änderung dieser Seite: 22.01.2009 20:37:34
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